Meine Spinnräder – Kromski Symphony und Kromski Minstrel

Größenvergleich
Größenvergleich

Die Entscheidung, welches Spinnrad für einen in Frage kommt, ist bei dem breiten Angebot an Spinnradherstellern und Spinnradtypen recht schwierig. Mein erstes Rad war das Traveller von Ashford. Auf diesem habe ich das Spinnen erlernt. Ein zuverlässiges und leicht zu tretendes Rad, welches von mir nachträglich noch mit einem Jumboflyer ausgestattet wurde. Nach zwei Jahren mit diesem schönen Gerät hatten sich meine spinnerischen Fähigkeiten allerdings soweit verbessert, dass mir dieses Rad schlicht zu langsam wurde und ich für mich beschloss, ein schnelleres anzuschaffen. Sobald man nach einem Spinnrad sucht, das höhere Übersetzungen bietet, schränkt sich allerdings das Angebot rapide ein. Entweder sind die Räder sehr teuer oder es gibt lange Wartelisten. Außerdem hatte mich die Kunststofflager der Ashfords schon immer gestört und ich wollte ein Rad, das ohne Plasikteile auskomt. Bald liebäugelte ich mit dem Symphony von Kromski. Mittlerweile hatte sich auch mein Geschmack von Modern hin zu gedrechseltem Holz verschoben. Und nachdem ich von meinem Kauf eines Rhode Islands dermaßen enttäuscht war, entschied ich mich endlich doch für mein “Traumrad”, auch wenn es damals in der unbehandelten Version gute 100€ teurer war als das sehr schnelle Rhode Island. Diesen Kauf habe ich bis heute nicht bereut, es ist wie für mich gemacht.

Das Symphony ist eine Ziege mit Doppeltritt und kann sowohl zweifädig als auch einfädig mit Spulenbremse betrieben werden. Da ich der Versuchung eines Zweitrades nicht widerstehen konnte, habe ich mir noch das Minstrel von Kromski geleistet. Dieses ist ein Bockrad und kann optional zum Art Yarn Rad umgebaut werden. Beide Räder habe ich unbehandelt gekauft und selber gebeizt und lackiert. Die Kromskis werden als Bausatz geliefert, also muss man erst mal Zusammenschrauben, was aber problemlos zu bewältigen ist. Die Anleitung ist leicht verständlich. Man sollte je nach handwerklichem Verständnis eine Aufbauzeit von ca. 1/2 bis zu 1 Stunde einplanen. Da diese beiden Spinnräder mit Gleitlagern ausgestattet sind, ist regelmäßiges Ölen notwendig. Ich benutze hierfür gerne Vaseline, auch für den Flügelstab.

Das Symphonie

Das Symphonie
Das Symphonie

Dieses Spinnrad ist mein Liebling. Eine Ziege, hier liegt der Flügel links neben dem Schwungrad. Beim langen Auszug ist das ideal für mich, da ich meinen Faservorrat in der rechten Hand halte und mit der linken Hand ausziehe. Dabei muss ich meinen Oberkörper nicht verdrehen, es entsteht eine flüssige, entspannte Bewegung die mich ermüdungsfrei arbeiten lässt. Das Symphony ist mit Doppeltritt ausgestattet, was ein sehr einfaches Treten ermöglicht, und zwar so einfach, dass man es auch geschmeidig einpedalig nutzen könnte.

Was mir symphatisch ist, es findet sich kein einziges Plastikteil an diesem Spinnrad. Die Flügellager sind aus Leder gefertigt. Dies sorgt für einen ruhigen Lauf. Bei regelmäßigem Ölen bleibt das Leder weich und es entsteht wenig Abrieb. Dieser bildet sich üblicherweise bei allen Gleitlagern und kann leider zu hässlichen dunklen Flecken und Schmierern auf dem Holz des Rades führen. Da sich das Entstehen von diesem jedoch nur durch ständiges Ölen/Schmieren der sich drehenden Teilen etwas eindämmen lässt, habe ich meine Räder lackiert. Somit ist das Holz problemlos abwischbar und das Öl bzw. die Vaseline hinterlässt zudem keine Fettflecken.

Ich spinne gerne im zweifädigen Antrieb und bin vom sanften und gleichmäßigem Einzug meiner Kromskis begeistert. Da bei beim zweifädigen Spinnen sowohl Spule als auch Flügel angetrieben werden, ist das Treten etwas leichter und das Spinngefühl ist harmonischer als im einfädigen Betrieb. Wobei ich anmerken darf, dass sich der Einzug bei Nutzung der Spulenbremse bei den Kromskirädern sehr fein justieren lässt.

Die Flügel sind traditionell mit Haken ausgestattet, welche drehbar sind. Wer Wert auf ebenmäßig befüllte Spulen legt, kann durch geschicktes Ausrichten der Haken diese ohne Hügelbildung befüllen. Ich empfinde das Umlegen des Fadens als entspannend und vermisse die modernen Sliding Hooks nicht. Vielmehr genieße ich die traditionelle Ausstattung und fühle mich diesem alten Handwerk noch näher. Es erfordert ein Stück mehr Achtsamkeit und entschleunigt mich.

Warum das Symphony?

Es ist ein schnelles Rad, mit dem flüssig im Langen Auszug gearbeitet werden kann. Es wird standardmäßig mit zwei Wirteln geliefert. Einmal mit Übersetzungen von 7:1 und 10:1 und dem kleinerem Wirtel mit Übersetzungen von 16:1 und 20:1, welcher bei mir meist im Einsatz ist. Das Einzugsloch hat einen Durchmesser von 1cm und hat somit eine gute Größe. Optional ist noch ein Wirtel mit einer Übersetzung von 25:1 bestellbar, dieser kann aber bauartbedingt nur im einfädigen Betrieb genutzt werden. Geliefert wird das Rad mit einer separaten, gebremsten Lazy Kate für drei Spulen.

Kleine Reparaturen kann man selber erledigen und das Rad lässt sich mit wenigen Tricks nahezu lautlos bedienen. Der Knackpunkt liegt bei den Knechten, die ich mit Filz von den Trittbrettern entkoppelt habe. Ein gerissener Antriebsriemen ist mit vielen handelsüblichen Schnüren austauschbar, sowie auch die Bremsschnur. Dies ist sehr günstig und schnell erledigt. Ich fette alle drehenden Teile mit Vaseline und kann durch Auftragen dieser auf die Flügelachse, klappernde Spulen flüsterleise machen. Bei regelmäßiger Schmierung läuft das Symphony absolut ruhig und vibrationslos. Hierauf lege ich großen Wert. Ein rappelndes Rad vermiest mir jeglichen Spinngenuss, nur das Windgeräusch des sich drehendes Flügels wird von mir akzeptiert.

Die Kromskis sind in der Anschaffung relativ günstig, vor allem in der unbehandelten Version und bieten ein breites Angebot an Zubehör. Ich besitze auch den Jumboflyer, der gut auf das Symphony, sowie auf das Minstrel abgestimmt ist. Der Umbau ist schnell erledigt und man kann diesen auch mit den Standardspulen bestücken, sodass ein ständiger Umbau unnötig wird.

Nachteile des Symphonys

Das Einzige, was mir hierzu einfällt, ist das Zwirnverhalten im zweifädigen Betrieb. Hier kann beim Zwirnen gerne mal der Faden vom Haken springen und sich verheddern. Sobald der Einzug nicht mehr gegeben ist, muss man sofort stoppen und den Faden wieder einhängen. Ein Nachteil der Haken im Gegensatz zu Sliding Hooks.

Fazit

Das Symphony ist ein schnelles, ruhig laufendes Rad. Der Einzug ist gut justierbar und sehr sanft. Wer einen starken Einzug bevorzugt, hat die Möglichkeit, spulengebremst zu spinnen. Auch hier ist der Einzug sehr fein einstellbar. Die Ersatzteile sind relativ günstig. Der optionale Jumboflyer läuft ruhig und man kann mit ihm auch dickere Garne spinnen. Für reine Effektgarne ist die kleinste Übersetzung von 7:1 jedoch sehr hoch, aber für geübte Artyarnspinnerinnen vermutlich handelbar. Die gedrechselte Optik muss man mögen. Kleine Reparaturen kann man selbst erledigen, was aber bei der robusten Bauweise eher selten nötig sein wird. Verschleißteile, wie Antriebs- und Bremsriemen sind auch mit Wurstgarn oder ähnlichen Schnüren günstig ersetzbar. Durch die freie Aufhängung des Schwungrades, kann eine abgesprungene oder beim Spulenwechsel vom Schwungrad gerutschte Antriebsschnur ohne große Fummellei wieder aufgelegt werden. Der Spulenwechsel ist einfach und schnell erledigt.

Kleine Hinweise

Wenn der Faden nicht optimal einzieht, sofort anhalten. Liegt der Faden noch auf dem Haken? Oder hat der Faden sich um einen Haken gewickelt? Ist die Spannung des Antriebsfadens noch korrekt? Bei zunehmender Spulenfüllung kann ein Anziehen der Bremse, bzw. Anpassen der Antriebsriemenspannung nötig werden, vor allem beim Zwirnen. Wenn die Antriebsschnur kurz vor dem Reißen ist, merkt man dies am sich stetig verringertem Einzug. Und letztendlich kann die Spule im zweifädigen Betrieb falsch herum eingelegt sein!

Dreht der Flügel optimal oder wird er langsamer? Überprüfe den Winkel von Flügeleinheit und Schwungrad. Die Flügeleinheit verstellt man manchmal unbeabsichtigt beim Spulenwechsel. Das Schwungrad verträgt keinen Rumpler durch Mensch, Tier oder Staubsauger und steht dann nicht mehr im optimalen Winkel zum Flügel, bzw. Wirtel. Durch leichtes Drehen des Flügels oder des Schwungrades läuft der Flügel wieder in gewünschter Geschwindigkeit. Von Zeit zu Zeit ist ein Nachziehen aller Schrauben sinnvoll.

Vibrationen vermeidet man durch Fetten des Schwungrades, der Tritte und nicht zu vergessen des Flügels. Vaseline hat sich bei mir am besten bewährt.

Das Minstrel

Kromski Minstel
Kromski Minstel

Das Minstrel ist ein Bockrad, das bedeutet, die Flügeleinheit sitzt über dem Schwungrad. Es ist mit einem Doppeltritt ausgestattet und lässt sich sehr leicht treten. Die beiden mitgelieferten Wirtel bieten eine Übersetzung von 6,5:1, 8,5:1, 12:1 und 16:1. Das Minstrel wurde für den zweifädigen, sowie den einfädigen Betrieb konzipiert, außerdem verfügt es über eine abschraubbare Spulenhalterung . Wie auch am Symphony kann der normale Flyer durch den Jumboflyer getauscht werden. Was dieses Spinnrad für mich interessant gemacht hat, ist der als Zubehör erhätliche Great Jumbo Flyer, welcher gute 700g Fasern fasst. Geliefert wird er mit einem enorm großen Wirtel, welcher Übersetzungen von 3,5:1 und 4,8:1 bietet. Der Great Jumbo Flyer ist für das Artyarnspinnen optimal geeignet und besitzt ein Einzugsloch mit 2,7cm Durchmesser und dementsprechend großen Sliding Hooks. Die Sliding Hooks lassen sich leicht mit einer Hand verschieben ohne selbst zu verrutschen. Das Minstrel lässt sich mit vollbeladenem Great Jumbo Flyer im zweifädigen Betrieb noch leicht treten. Wobei für das Artyarnspinnen, der einfädige Betrieb mit Spulenbremse geeigneter ist, da der Einzug viel stärker eingestellt werden kann. Leider ist die Flügelaufhängung aus Kunststoff gefertigt. Weil ich dies nicht mag, habe ich ein Lederlager angefertigt, welches optimal funktioniert. Der Great Jumbo Flyer wird mit einer Spulenhalterung, die an das Rad geschraubt wird, geliefert.

Das Minstrel ist sehr schön gedrechselt und läuft genauso ruhig und vibrationslos wie das Symphony, muss natürlich auch regelmäßig gefettet werden. Bedingt durch die Bockbauweise ist das Minstrel sehr stabil und kann gut transportiert werden.

Alle vier Wirtel können für das Minstrel, sowie für das Symphony genutzt werden. Der kleinste Wirtel mit der höchsten Übersetzung ist nur im einfädigen Betrieb einsetzbar. Jumbo- und Standardspulen kann man auf beiden Rädern nutzen.

Im Internet finden sich immer wieder Stimmen, die von schlampiger Verarbeitung der Kromskiräder erzählen. Dies kann ich nicht bestätigen. Die Drechselarbeiten sind gut gemacht und es finden sich keinerlei Macken im Holz. Beide Räder laufen ruhig, haben einen gut justierbaren Einzug und sind technisch simpel gehalten. Ich bin mit beiden Rädern sehr zufrieden und denke mit diesen alle meine spinnerischen Bedürfnisse abgedeckt zu haben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.