Färben mit Cochenille – Die Läuse im Topf – Meine Milchschafe erröten

Dieses Jahr möchte ich meine Milchschafwolle mit Cochenille färben. Die Milchschaflocken meiner Schafe sind von sehr unterschiedlicher Faserstruktur. Fleckerl hat lange, glänzende Fasern, die ausgeprägte Locken zeigen. Leas Wolle ist sehr viel feiner, hat mehr Kräuselung und ist etwas kürzer. Ich denke, sie ist durchaus an der Haut tragbar, jedoch ist sie eingestreuter als Fleckerls Fasern. Mit 2kg ist Lea dabei, von Fleckerl wandern 3,5kg in den Färbetopf. Weil ich nicht in kleinen Mengen färbe, durften noch Altbestände Milchschaf in die Beize und 2kg Milchschaf-Pommern-Mix. Zur Reserve beize ich noch zusätzlich Pünktchens Wolle. Pünktchen ist ein Merino-Suffolk-Mix und steuert 2kg bei.

Gewaschene Milchschaflocken
Gewaschene Milchschaflocken

Cochenille bietet, abhängig von Beize, Wasserhärte, Läusen und Beizzusätzen, eine breite Palette an Rot- und Lilatönen. Eine wundervolle Farbenpracht, ideal geeignet um mich an meinen Kämmen auszutoben. Die Stapellänge vom Milchschaf ist passend, um sie mit meinen englischen Kämmen zeitsparend zu verarbeiten und ich erhoffe mir entspannte Stunden dabei. Und natürlich auch beim Farben mischen und Kammzugziehen.

Ans Werk!

Vor dem Färben muss die Wolle gebeizt werden. Ich benutze hierzu Kaltbeize, die ich in Pulverform kaufe und dann unproblematisch zu Hause anrühren kann. 15 Liter im Eimer mit Deckel sollten erstmal reichen. Dabei gehe ich selbstverständlich nach Anleitung vor. Die Kaltbeize ist sofort einsetzbar und sehr ergiebig. Der Deckel schützt Getier vor dem Ertrinken und die Beize vor Verdunstung. Auch die Neugier unserer Katze wird etwas gebremst. Die gewaschene Wolle verbleibt locker schwimmend mindestens 12 Stunden in der Beize und wird anschließend geschleudert und entweder feucht in die Färbeflotte gelegt oder für die spätere Verwendung getrocknet. Die ausgeschleuderte Beize wird weiterverwendet.

Getrocknete Cochenille
Getrocknete Cochenille

Dieses Jahr habe ich Cochenille verschiedener Herkunft verarbeitet, die somit auch andere Rottöne färbte. Das war sehr interessant, hat aber letztendlich dazu geführt, dass meine Dokumentation dieser Färbewoche etwas durcheinander kam. Ich hatte zeitgleich drei Töpfe auf den Herdplatten und fünf verschiedene Vliese.

Eingeweichte Cochenille
Eingeweichte Cochenille
Bereitung des Färbesudes
Bereitung des Färbesudes
Ölschicht
Ölschicht
Abnehmen der Ölschicht
Abnehmen der Ölschicht

Die Läuse müssen vor dem Färben gemahlen und mit ordentlich Wasser eingeweicht werden. Nach etwa 8 Stunden verdünnt man die aufgequollenen Schildläuse und kocht sie für gut 15 Minuten. Achtung, der ungekochte Brei kippt schnell um. Vergessener Brei zersetzt sich und riecht widerlich. Wenn sich beim Auskochen eine schillernde Ölschicht auf der Oberfläche bildet ist der Sud fertig. Nach dem Abkühlen nimmt man diese Ölschicht mit einem Tuch sorgfältig ab und anschließend wird die Brühe durch ein Sieb mit eingelegtem Färbetuch abgeseiht. Bei mir haben sich alte Baumwolltaschen für diesen Zweck bewährt. Da der feine Pulverbrei durch so manche Lücke im Gewebe gedrückt wird, packe ich das Ganze in eine zweite Tasche. Diese lassen sich knoten und auch an den Schlaufen gut befestigen oder aus dem Färbetopf entnehmen. Dem konzentrierten Färbesud gebe ich mit einer Gartenbrause Wasser zu und erzeuge dabei soviel Schaum wie möglich. Auf diesem binden sich die verbliebenen Ölreste, welche ich abermals mit einem Papiertuch abnehme. Dann ist die Färbeflotte bereit!

Färbesud
Färbesud

Zum eigentlichen Färben benutze ich meine alten Einkochtöpfe. Sie haben ein ordentliches Fassungsvermögen, und ich kann pro Färbegang gut 300 Gramm Wolle hineingeben. Auch koche ich in ihnen alle meine selbst gesammelten Färberpflanzen aus. Da Eisen die Farben umschlagen lässt, sollten die Einkochtöpfe keine Emailleschäden aufweisen.

Die Färbeflotte wird im Garten erhitzt, da Cochenille unangenehm riecht, wie so manche andere Pflanzenfärbungen auch. Dann wird die gebeizte Wolle eingelegt. Vorheriges Ausschütteln der Vliesstücke kann noch einiges an Schmutz entfernen.

Insgesamt habe ich drei verschiedenen Färbungen, mit je drei Zügen dokumentiert. Die beiden ersten Färbungen wurden mit den gleichen Läuschen und die dritte Färbeflotte mit Läusen eines anderen Anbieters, angesetzt. Ich habe jeden ersten Zug ohne Farbbeutel belassen und dann immer die Färbetaschen aufgelegt und auch in der Färbeflotte ausgedrückt und dabei darauf geachtet, dass kein Cochenillebrei von mir mit ausgepresst wurde. Die Wolle wurde bei jedem Zug für mind. eine Stunde sanft gekocht. Die Farbe wird bei längerer Kochzeit kräftiger, aber Weinstein und Eisen können die Fasern schädigen, deswegen wollte ich es nicht übertreiben. Die Züge, welchen kein Eisen zugesetzt wurde habe ich über Nacht im Sud auskühlen lassen. Der ausgeschleuderte Sud wird wieder aufgekocht und mit Wolle bestückt. Die gefärbten Fasern spüle ich mehrmals aus, anschliessend wird getrocknet. Mit Eisen entwickelte Farben sind weniger lichtecht. Um dem Zerfall der Farben entgegenzuwirken, lege ich die Fasern zum Fixieren in Essigwasser. Danach wird gespült.

Weinstein klart die Rottöne auf und lässt sie leuchten. Eisen dunkelt enorm nach und entwickelt Lilatöne. Die genaue Rezeptur ist in der Bildbeschreibung zu finden (aufs Bild klicken).

Undokumentierte Färbungen
Undokumentierte Färbungen

Ab dem dritten Zug in drei Töpfen habe ich mich nach Lust und Laune leiten lassen, habe überfärbt, Flotten gemischt und nach Gefühl Weinstein und/ oder Eisen beigesetzt. Ich bin begeistert von der entstandenen Farbvielfalt.

Cochenille I, 1. Zug
Cochenille I, 1. Zug
Cochenille I, 2. Zug
Cochenille I, 2. Zug
Cochenille I, 3. Zug
Cochenille I, 3. Zug

Um die Farbpalette zu vergrößern, wäre eine Direktbeize mit Alaun und/oder Weinstein nötig. Da ich meine Wolle mit Kaltbeize behandle, schränke ich mich etwas ein.

Cochenille II, 1.Zug
Cochenille II, 1.Zug
Cochenille II, 2. Zug
Cochenille II, 2. Zug
Cochenille II, 3. Zug
Cochenille II, 3. Zug
Cochenille III, 1. Zug
Cochenille III, 1. Zug
Cochenille III, 2. Zug
Cochenille III, 2. Zug
Cochenille III, 3. Zug
Cochenille III, 3. Zug

Insgesamt habe ich ca. 9kg Wolle gefärbt, dazu benötigte ich 300g Cochenille, 300g Kaltbeize aufgelöst in 15l Wasser und ca. 150g Weinstein und etwas Eisenpulver. Gefärbt habe ich in rund 300g Portionen, mal mehr mal weniger. Orientiert habe ich mich an den Rezepten von Dorothea Fischer, welche sie in ihrem Buch, Naturfarben auf Wolle und Seide, beschreibt. Leider verwendete Frau Fischer generell keine Kaltbeize, somit habe ich improvisiert. Die Mengenangaben in meinen Färbungen sind nur als grober Anhaltspunkt gedacht, die Farben sind von so vielen Faktoren abhängig. Und wie immer, der Monitor macht die Farbe…

Gut bewachte Wollberge
Gut bewachte Wollberge

Endlich ist die Wolle bereit um gekämmt zu werden. Mich juckt es schon in den Fingern. Aber das hält mich sicher nicht davon ab, die Färbetöpfe nochmals aufzustellen.

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