Wollpicker

Wollpicker von Wollschaaarf

Das Wollezupfen ist die zeitaufwändigste Tätigkeit in der Rohwollverarbeitung. Nachdem das Vlies gewaschen oder fermentiert worden ist, sollten die Wolllocken aufgezupft werden. Dabei fällt ein Großteil der mitgewaschenen Heu- und Schmutzpartikel aus der Wolle, bzw. wird herausgepickt. Auch sortiert man dabei den Nachschnitt aus. Es handelt sich hierbei um kurze Faserabschnitte, welche kleine Knötchen im Batt, Kammzug oder auch im Garn bilden. Verklebte Lockenspitzen sollten auch gelöst werden, dazu benutze ich gerne handelsübliche Haarkämme. Die aufgelockerten Fasern können im Anschluß kardiert oder aber aus der Flocke heraus versponnen werden.

Diese Arbeit kann aber auch ein Wollpicker übernehmen. So mein Gedanke.

Ich bestellte mir den großen Wollpicker der Fa. Wollschaaarf. Nachdem mir auf Nachfrage, passende Schrauben nachgeschickt wurden, legte ich los. Leider waren die Pins, nicht so gut verarbeitet wie auf der Homepage verspochen. Die Nadelspitzen waren scharfkantig und jeder einzelne Pin hatte eine Scharte vom Einspannen in die Schleifmaschine.

Das Ergebnis war ernüchternd, zwar wurde die Wolllocken gelockert, aber Schmutz der beim Picken nicht herausfiel, verteilte sich in Minibröseln in der Wolle. Die Fasern wurden teilweise förmlich zerrissen, was an wohl den scharfkantigen Pins geschuldet war. Beim Kardieren sammelten sich die zerrissenen Fasern auf der kleinen Trommel, fast 50% der eingegebenen Wollmenge. Die Batts waren leider sehr eingebröselt und sahen regelrecht schmutzig aus. Um ein halbwegs gutes Kardierergebnis zu erhalten, musste ich die Batts viermal kardieren, da verteiler Nachschnitt und abgerissene Fasern kleine Klümpchen bildeten. Bei handgezupfter Wolle reichen mir für meine Ansprüche zwei Kardierdurchgänge bei Milchschafwolle aus. Wobei ich in Längsrichtung der Faser ausziehe und Nachschnitt und Schmutz ausssortiere. Dies kann kein Wollpicker, somit gehe ich davon aus, dass gepickte Wolle generell mehr Material auf der kleinen Kardierrolle sammelt und mehr Kardierdurchläufe benötigt, um ein gleichmäßiges Batt zu bilden. Ich habe verschiedene Wollen getestet, alle mit ähnlichem Ergebnis. Je feiner die Faser, desto mehr wurde sie zerrissen. Deutsche Merino habe ich ohne zu kardieren entsorgt, da die Wollflocken durch die unsanfte Behandlung total unbrauchbar waren. Ein Angleichen der Schaukelhöhe brachte keine Abhilfe.

Ich entschloss mich, den Wollpicker wieder zu veräußern und stattdessen viele gemütliche Stunden mit dem händischen Zupfen meiner Vliese zu verbringen. Im Gegenzug aber schöne, saubere Batts zu erhalten und nicht die Hälfte der gewaschenen Wolle von der kleinen Kardierrolle aussortiert zu bekommen. Diese nicht zum feinen Ausspinnen zu gebrauchenden Fasern benutze ich gerne als Füllung für Tierkissen oder spinne daraus dicke Teppichgarne.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere